Geistiges Training und Konzentration sind Dinge des Gefühls und der Kompression des Willens, zugleich eine Verbindung von Überzeugung und Vorstellungskraft von Glaube und Liebe für Deine Passion.


In dieser Rubrik  gebe ich Dir einige Denkanstösse, schreibe über meine Praxiserfahrungen als Trainerin und auch als Schützin. Den Schiesssport betreibe ich grösstenteils als Selbstexperiment.

Falls notwendig werden aus Datenschutzgründen die Namen der beschriebenen  Athleten geändert.

Vielleicht können Dir diese Anregungen weiterhelfen, Deine Knacknuss zu öffnen......


Das A&O > Nr. 1

Mentaltraining bedingt einen offenen, flexiblen Geist, Experimentierfreude und eine gute Selbstwahrnehmung.

In meiner Methode ist der erste Schritt, den ich meinen Seminarteilnehmern vermittle, genau dieser. Sich in erster Linie bewusst zu werden, ob die Bereitschaft für Veränderung vorhanden ist... denn es gibt keine Grenzen... nur die in Deinem Kopf! Wenn dies geklärt ist, kann mit der Selbstbeobachtung des eigenen Verhaltens - der Selbstwahrnehmung, der Selbstreflexion und der Selbstreaktion - begonnen werden.


... aus dem Nähkästchen geplaudert...

Selbstexperiment zur Selbstwahrnehmung

Jede Wettkampferfahrung ist auch für einen Vereinsschützen ein besonderes Erlebnis. Kann die Wettkampferfahrung jedoch an einer Schweizermeisterschaft gemacht werden, ist dieses Ereignis DAS Highlight des Jahres. Schon eine gute Qualifikation zu schiessen um am Finale teilnehmen zu können ist Vereinsintern nennenswert. Nun, auch ich hatte dieses Jahr das Glück die Qualifikation gut zu überstehen. Vor zwei Jahren hatte ich mich das erste Mal G50m fürs Finale in Thun qualifiziert. Ohne besondere Ambitionen hatte ich dieses Event genossen, einfach dabei sein zu können. Für dieses Jahr hatte ich mir mehr vorgenommen... viel mehr. Ich intensivierte mein Training, feilte an meiner Technik, stellte mich optimal auf den Saison-Höhepunkt ein. Wie bereits an der SM in Bern 10m Auflageschiessen, spürte ich eine freudige Erregung bereits eine Woche vor dem Wettkampf. Ich rechnete mir aus, was möglich ist. Ich malte mir aus, was realistisch ist (20-25 Rang, 610-612 Pkte).  Ich träumte das schier unerreichbare. Tatsächlich! Ich träumte zwei Nächte vor dem Wettkampf vom Schweizer Meistertitel mit einem neuen persönlichen Rekord von 624.0 Punkten. ... ich wusste, mein Unterbewusstsein ist bereit für.... "Auf zu neuen Taten!"

Ich war technisch gut vorbereitet, die Taktik inkl. "worst-case-szenario" war zurechtgelegt..

Mental führte ich immer wieder Selbstgespräche. Ich baute mich auf, indem ich die guten Trainings lobte. Mein Selbstvertrauen wurde, durch den Sieg des Bezirksmatches eine Woche davor, noch gestärkt.

Ich fuhr am Sonntag nach Thun. Ich war bereits in meinem mentalen Fokus-Tunnel. Ich besichtigte nach der Waffenkontrolle nochmals den Schiessstand. Immer wieder  ging ich vor meinem geistigen Auge den technischen Ablauf von jedem Schuss durch.... reagierte mental auf - was wenn es nicht gut läuft....

Am Montag morgen war ich freudig erregt. (nicht zu verwechseln mit Nervosität, denn diese entsteht aus der Angst und nicht aus der Freude) ... Ich wusste, ich kann nur gewinnen! .... Ich kann das Feld von hinten aufrollen! ... Ich arbeite sorgfältig und präzise, dann werde ich über mich hinaus wachsen.... !

Es kam, wie es kommen musste! Neue persönliche Bestleistung - Rang 17, 614.0 Pkt  (habe im Traum wohl die falsche Zahl gesehen😊) Für mich persönlich stufe ich diese Leistung höher ein, als meine Leistung an der SM 10m in Bern.

 

Fazit für Dich lieber Leser.... setze Dir nie Grenzen, denn diese entstehen nur im Kopf.. Träume das unmöglich um das mögliche zu erreichen. Geniesse das Ereignis - aus tiefstem Herzen, mit überschlagenden Glückshormonen und mit jeder Faser Deines Körpers. Habe einfach Spass, denn DIESE Chance kommt nie wieder, also in diesem Sinn - Carpe Diem.

 


Mentale Stärke erlangen ist ein Langstreckenlauf und kein Sprint

Mental-Training passiert nicht von heute auf morgen. Mit Nadja arbeite ich schon seit einigen Jahren zusammen. Auch ein Bodybuilder braucht Jahre, bis er seine Muskeln nach Wunsch aufgebaut hat. Training bedeutet ja auch Schulung, Übung, Weiter-Bildung...


Die Balance zwischen Ehrgeiz und Spass zu haben

Wenn der Ehrgeiz zu stark ist, dann leidet oft die Freude, der Spass an der gewählten Sportart. Dann vor allem, wenn junge Athleten sich noch mehr abmühen, um die Anerkennung der Eltern oder Trainer zu erhalten... oder aber die Eltern setzen unbewussten Druck auf ihre Kinder, um vielleicht das zu erreichen, was ihnen vergönnt blieb. Auf jeden Fall sollte der Athlet den Fokus nach innen richten und sich folgende Fragen stellen: "Nun habe ich mich entschieden, diese Sportart zu betreiben. Bereitet sie mir nach wie vor Spass und Freude? Was genau will ich erreichen? Was bin ich bereit dafür zu tun? Für wen möchte ich das tun? Bin ich bereit gewisse Entbehrungen hinzunehmen?" Können diese Fragen positive und bejahend beantwortet werden, dann ist der persönliche Erfolg voraussehbar.


Der Sieg beginnt im Kopf


Eine ganz neue Erfahrung - Die Erlaubnis, erfolgreich sein zu dürfen

An der SMS - 50m G liegend - im September 2018 in Thun  durfte ich erfahren, wie es ist, wenn ich mal schlecht in einen wichtigen Wettkampf starte. In den ersten 5 Schüssen vier Mal die 9.9 zu treffen, lässt mich auch nicht kalt. Da ich jedoch meine mentalen Stärken kenne, weiss ich, dass mich dies nur noch mehr motiviert, technisch sauber zu arbeiten. Deshalb hat mich diese Erfahrung nicht aus der Bahn geworfen. Zum Schluss erreichte ich - als beste Bündnerin - den sehr erfreulichen 12. Schlussrang.

 

Die Erfahrung einer ganz anderen Art konnte ich am 22.2.2019 an der SMS Auflageschiessen in Bern erleben. Die ersten drei Schüsse mit 10.8, 10.9,10.8 zu beginnen... hat mich absolut irritiert, da die Probeschüsse nicht berauschend waren. Nun, ich hatte plötzlich das Herz in der Hose. Ich hatte Schiss, Schiss vor meiner eigenen Courage. (Bitte verzeih mir meine Ausdrucksweise, doch genau so fühlte ich mich) Ich musste alle Register ziehen, um wieder ins Lot zu kommen, da ich an Wettkämpfen glücklicherweise mit gemässigter Nervosität zu kämpfen habe. Diese mentale Herausforderung war total neu für mich. Doch heute weiss ich, dass ich diese neue Erfahrung gebraucht habe, um mir die Erlaubnis zu geben, erfolgreich sein zu dürfen. Ich brauche mich nicht zu verstecken.